Heiliggeistkirche

Die Heiliggeistkirche befindet sich im Zentrum der Heidelberger Altstadt. Sie liegt unmittelbar am Marktplatz, gegenüber dem Rathaus.
Die Heiliggeistkirche ist bereits der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Um 1400 wurde hier mit den Bauarbeiten begonnen. Bauherr war Kurfürst Ruprecht III., der auch als deutscher König Ruprecht I. in die Geschichte einging.
Es handelt sich bei der Heiliggeistkirche um die größte gotische Kirche im kurpfälzischen Raum.
Unter Kurfürst Friedrich I. dem Siegreichen kam der berühmte Niclaus Eseler (1436–1482) aus Mainz nach Heidelberg. Der Turm der Heiliggeistkirche scheint im Wesentlichen von ihm gestaltet worden zu sein, konnte allerdings erst 1508 durch Lorenz Lechler vollendet werden.
Die Heiliggeistkirche wurde von Kurfürst (1410–1436) Ludwig III. zum Kernelement der Universität bestimmt. Somit konnten die Dozenten der Universität nun aus Kirchenpfründen bezahlt werden und fungierten nun gleichzeitig auch als Pfarrer. Erst mit der Reformation änderte sich dies.
Die Kirche wurde damals von der Universität auch für Festveranstaltungen genutzt.
Die Heiliggeistkirche war damals auch der Standort der »Bibliotheca Palatina« (lat. für »Pfälzische Bibliothek«), der kostbarsten Bibliothek des deutschen Mittelalters.
Ludwig III. ließ darüber hinaus auf den sehr geräumig gestalteten Emporen der Heiliggeistkirche eine Bibliothek zur Nutzung durch die Dozenten einrichten. Damit wurde der Grundbestand der berühmten Bibliotheca Palatina geschaffen.
1623, als die Kurpfalz im 30-jährigen Krieg von den Truppen der katholischen Liga unter General Tilly besetzt wurde, wurde die »Bibliotheca Palatina« als Kriegsbeute beschlagnahmt und in Kisten verpackt, die teilweise aus Kirchenbänken gezimmert worden waren. Am 1. Februar 1623 starteten 50 Fuhrwerke unter Geleitschutz nach München, beladen mit 184 Kisten voller Bücher und Handschriften.
Der bayerische Herzog Maximilian I. machte sie als Sieger dem Papst zum Geschenk. So gelangten die fast 4.000 Handschriften und etwa 5.000 Drucke auf dem Rücken von Maultieren über die Alpen nach Rom in den Vatikan. Dort befinden sie sich bis heute.
Erst zum 600. Universitätsjubiläum 1986 kamen Teile der »Bibliotheca Palatina« als Leihgabe für kurze Zeit nach Heidelberg zurück. Heidelberg hatte damit einen zusätzlichen Besuchermagneten wie selten zuvor.
Besonders wertvolle Stücke des Bücherbestandes wurden inzwischen digitalisiert, um sie der Nachwelt zugänglich zu machen.

Die Heiliggeistkirche beherbergt bis heute das Grabmal ihres Gründers Kurfürst Ruprecht III., des deutschen Königs Ruprecht I., und seiner Gemahlin Elisabeth von Hohenzollern.
Sie diente bis zum Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689/1693  den pfälzischen Kurfürsten aus dem Hause Wittelsbach als Grablege.
Im Inneren der Heiliggeistkirche sind an den Wänden Grabtafeln aus vier Jahrhunderten zu sehen.
Als die französischen Truppen unter General Melac im Pfälzischen Erbfolgekrieg Heidelberg zerstörten, wurde auch die Heiliggeistkirche in Brand gesetzt.
Die meisten Fürsten-Grabmäler in der Kirche, mit Ausnahme des Grabmals Kurfürst Ruprechts III., wurden dabei zerstört. Beim Wiederaufbau im 18. Jh. erhielt die Turmspitze ihre heutige, barocke Form. Auch das Kirchenschiff bekam ein Barockdach.
Durch den Bau einer Scheidemauer war die Kirche von 1706 bis 1936 Kirche für zwei Konfessionen, sowohl für die evangelische als auch für die katholische.
Verkaufsstände haben sich schon im Mittelalter rund um das Kirchenschiff der Heiliggeistkirche angesiedelt. Die sogenannten alten »Stiftsläden« oder auch »Krambuden« sind ebenso geschichtsträchtig wie die Kirche selbst. Sie gehören mit zu den ältesten Zeugen des mittelalterlichen Heidelbergs.
Anfangs wurden hier kirchliche Gegenstände wie z. B. Rosenkränze und Heiligenbilder verkauft, später dann Brot und Fleisch und schließlich kamen die Handwerker hinzu. Dies alles fügte sich in den benachbarten Marktplatz gut ein.
Betrachtet man die Außenmauer der Kirche genauer, erkennt man zwischen den verschiedenen Verkaufsbuden mehrere eingemeißelte Brezel-Symbole. Sie erinnern heute noch daran, dass hier früher Bäcker ihre Waren anboten. Die in den Sandstein eingemeißelten Brezeln sollten, so sagt man, einem mahnenden Größenvergleich mit den tatsächlich verkauften Brezeln dienen. Dass die Bäcker gelegentlich ermahnt werden mussten, belegt auch folgende vertragliche Vorgabe von Rat und Bürgermeister:
»... dass der Bäcker Mägde keine unziemlichen und schandbaren Lieder singen und besonders während der heiligen Ämter und wenn man im Stift singt und predigt, wodurch Ärgernis geschehen möge.«
Heute werden zwar keine Brezeln mehr verkauft, dafür aber buntes Allerlei. Die Touristen freuen sich über die in den »Krambuden« erstandenen Reiseandenken, die von Kitsch bis Kunst reichen, von der für Heidelberg eher untypischen Kuckucksuhr oder Schwarzwaldpuppe bis hin zum antiquarischen Reiseführer.
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