Die Freilichtbühne Thingstätte

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Heiligenberg als »germanischer Kultplatz« betrachtet. Um die damalige Blut- und Boden-Mystik zu stützen, schuf 1934 der Reichsarbeitsdienst mit Unterstützung von Heidelberger Studenten in 12-monatiger Bauzeit die sogenannte »Thingstätte auf dem Heiligenberg«.
Bei der architektonischen Gestaltung nahm man das germanische »Thing«, einen Volksversammlungsplatz im Freien, zum Vorbild.
Die Anlage verfügt über 8.000 Sitzplätze und ca. 5.000 Stehplätze. Die beiden Flaggentürme sollten gute Beleuchtung sowie guten Ton garantieren. Einen hohen Stellenwert bekamen die breiten Aufmarschwege für Chor, Spieler und Zuschauer. Die Anlage galt in NS-Führungskreisen als vorbildlich.
Der Propagandaminister Joseph Goebbels persönlich übernahm am 22. Juni 1935 im Rahmen einer Sonnwendfeier die Einweihung dieser Freilichtanlage für NS-Veranstaltungen. Er rühmte dabei die Thingstätte als Stätte des »steingewordenen Nationalsozialismus«. Zur Einweihungsfeier kamen damals 20.000 Menschen, eine Zahl, die bei späteren Veranstaltungen nie mehr erreicht wurde. Nach 1936 wurde die »Thingbewegung« als Propagandainstrument allmählich durch Film und Rundfunk (Volksempfänger) ersetzt.
Nach dem zweiten Weltkrieg versank die Anlage wegen ihres Ursprungs zunächst im »Dornröschenschlaf«. Erst seit 1987 wird die Thingstätte gelegentlich wieder für Veranstaltungen genutzt, z. B. für klassische Konzerte.
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