Die Geistermusik aus dem Großen Fass

Auf dem gewaltigen Rücken des Großen Fasses ist eine hölzerne Plattform angebracht. Sie ist von einem schönen Geländer umgeben und Treppen führen von beiden Seiten hinauf. Dort wurden früher mancherlei Festlichkeiten abgehalten. So mancher Besucher befand sich hier in fröhlicher Runde, Musikkapellen ließen ihre lustigen Lieder ertönen und oft dröhnte der Tanzboden, wenn sich die Tänzer auf ihm drehten.
Als Kurfürst Karl Ludwig beschlossen hatte, seine Tochter Liselotte an den französischen Königshof zu verheiraten, traf eines Tages eine vornehme französische Gesandtschaft ein. Man wollte näheres über die Heirat der Pfalzgräfin besprechen. Den Gästen zu Ehren veranstaltete der Kurfürst eines Abends ein Festmahl auf dem Rücken des Großen Fasses. Zuvor aber versteckte er in dem gerade leeren Fass eine ganze Kapelle von Trompetern und Paukern. Dann begann das Fest. Es wurde viel Wein getrunken und manches Glas auf das Wohl des Gastgebers und des französischen Königs gehoben.
Auf einmal – die Gäste hatten gerade die Gläser erneut erhoben – erscholl unter ihnen ein Höllenspektakel. Der Boden dröhnte, die Kerzen und die Gläser fielen zu Boden. Die fremde Gesellschaft meinte, der leibhaftige Teufel mit seinem gesamten Hofstaat sei los und stürtzte im Dunkeln die Treppe hinunter. Erst als der Kurfürst lachend die Musikanten aus dem Bauch des Großen Fasses klettern ließ, beruhigten sich die Gäste wieder.
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