Das Mahl ohne Brot

Das Frühjahr 1462 war ein Schreckensjahr für die Pfalz. Die reichen Dörfer in der Rheinebene zwischen Wiesloch und dem Neckar wurden ausgeplündert und sanken in Schutt und Asche, als die Truppen des Markgrafen Friedrich von Baden, seines Bruders Bischof Georg von Metz und des Grafen Ulrich von Württemberg sengend und brennend in das Land des Kurfürsten Friedrich I. eindrangen. Friedrich hatte als Vormund seines unmündigen Neffen Philipp die Rechte eines Kurfürsten für sich in Anspruch genommen. So wurde er zum Gegner des Kaisers, von dem er in die Reichsacht erklärt wurde. Hinzu kam noch der Bann des Papstes.
Nachdem alle Bemühungen zum Frieden fehlgeschlagen waren, kam es zum Angriff und zum Zusammenstoß am 30. Juni 1462 in der Ebene bei Seckenheim. Friedrich war siegreich und konnte die drei gegnerischen Anführer gefangen nehmen. Im Heidelberger Schloss hielt er sie im »Seltenleerturm« verwahrt und gab sie erst nach der Zahlung immenser Lösegelder wieder frei.
Auf dem Schlachtfeld ließ Friedrich der Siegreiche eine Pyramide mit einem Kreuz als Siegesmal errichten. Das Kreuz ist im Laufe der Jahrhunderte verwittert, doch die Pyramide steht heute noch bei dem 200 Jahre später gegründeten Friedrichsfeld.
Viele Jahre nach der Schlacht bei Seckenheim erzählte man sich, wie Friedrich eines Tages seine gefangenen Gegner in den Rittersaal zu einem Festmahl eingeladen habe. Hier ließ er ihnen die feinsten Speisen auftischen, doch fehlte dabei das Brot, das damals die Hauptspeise jeder Mahlzeit war. Als die Tischgäste nach dem Brot fragten, öffnete Friedrich die Fenster und zeigte den Fürsten die von diesen verwüsteten Felder, auf denen kein Getreide zur Brotherstellung geerntet werden konnte.

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