Der Zwerg Perkeo - "Ritter und Kammerherr des Fasskönigs"

Der spätere Kurfürst von der Pfalz Karl Philipp war 1705 Statthalter von Ober- und Vorderösterreich geworden. Er hatte in dieser Zeit seinen Sitz in Innsbruck.
Der Statthalter betrauerte gerade den Tod seiner Frau und seiner kleinen Tochter. Eines Tages erfuhr er von einem seiner Hofbeamten, der zuvor stockbetrunken in die Hofburg gebracht worden war, von einem besonders trinkfesten »Zwerg«, einem Knopfmacher namens Clemens. Dieser sei zwar kleinwüchsig, aber voller Lebensfreude, zu Späßen stets aufgelegt und reich an Intelligenz. 
Karl Philipp ließ den Zwerg kommen und trank mit diesem um die Wette. Der Statthalter, selbst an manche Sauftour gewöhnt, verlor die Wette. Staunen und Hochachtung des Hofes gehörten dem Zwerg. Erstaunt über dessen Leistungsfähigkeit rief Karl Philipp aus: »Komm mit nach Heidelberg, ich ernenne dich zum Ritter und Kammerherrn des Fasskönigs. In meinem Keller liegt das größte Fass der Welt.«
»Perché no? Warum auch nicht«, meinte schlagfertig der Kleine.
»Ich nehme dich beim Wort, Perkeo, denn so sollst du hinfort heißen.«
Karl Philipp nahm den einstigen Clemens, nun Perkeo, in seine Dienste und ernannte ihn zum Hofnarren. Perkeo erhielt eine farbige Uniform, eine Perücke und statt eines Degens einen riesigen Kellerschlüssel. Als Karl Philipp Kurfürst von der Pfalz wurde und mit seinem Hof nach Heidelberg umzog, wurde Perkeo bald der Liebling der Hofleute und der Heidelberger Bürger.
Er durfte alle mit dem vertrauten »Du« anreden. Es hieß, der Kurfürst schenkte ihm mehr Vertrauen als seinem Beichtvater. Karl Philipp konnte auf die Späße und geradezu philosophischen Redewendungen seines Hofnarren kaum noch verzichten.
In Heidelberg machte Karl Philipp den Zwerg zum Kellermeister und betraute ihn mit der Verwaltung der kleinen und großen Weinfässer, wofür der Trinkfeste bestens geeignet schien.
Darauf beziehen sich auch Viktor von Scheffels dichterische Zeilen:
»Das war der Zwerg Perkeo
Im Heidelberger Schloss,
An Wuchse klein und winzig,
An Durste riesengroß.«
Man erzählt sich, dass Perkeo schon morgens zum großen Fass ging, um dieses auszutrinken.
Als der katholische Kurfürst Karl Philipp 1720 mit der reformierten Heidelberger Bürgerschaft im Streit lag, verlegte er seine Residenz nach Mannheim. Vermutlich blieb Perkeo als erfahrener Betreuer der kurfürstlichen Weinfässer in Heidelberg.
Im Jahre 1735 soll Perkeo im Alter von 33 Jahren gestorben sein – allerdings nicht am Wein, so sagt es die Legende. Als er wegen einer Unpässlichkeit ein Glas Wasser anstatt Wein trank, soll er sich mit der Ruhr angesteckt haben.
Seine überdimensionale Trinkfestigkeit und sein Mutterwitz sind bis heute in der ganzen Kurpfalz und weit darüber hinaus bekannt geworden.
Noch zu seinen Lebzeiten wurde Perkeo ein Denkmal gesetzt, das von ihm selbst entworfen und geschnitzt wurde. Im Fassbau ist es zusammen mit einer Uhr, die Perkeo ebenfalls gefertigt hatte, aufgestellt. Letztere zeigt jedoch nicht die Zeit an, sondern erschreckt ahnungslose Schlossbesucher beim Aufziehen mit einem herausschnellenden Fuchsschwanz.
Im Kurpfälzischen Museum kann der Zwerg Perkeo heute auf einem Gemälde betrachtet werden.
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