Drei Vorgänger des Großen Fasses

Das erste Große Fass des Pfalzgrafen Johann Casimir
Für den Küfermeister Michael Waerner aus Landau war es ein ehrenvoller, aber auch schwieriger Auftrag des Pfalzgrafen Johann Casimir, Administrator der Kurpfalz von 1588 bis 1593, ein Weinfass von ungewöhnlicher Größe für das Heidelberger Schloss zu bauen. Er benötigte dazu nicht weniger als 122 Zentner Eisen, um den Koloss mit festen Reifen zu umspannen. Ein zeitgenössischer Poet rühmte das fertiggestellte Fass, das 132 Fuder, drei Ohm und zwei Viertel, nach heutigem Maß: 120.000 Liter Wein aufnehmen konnte, mit dem Vers:
»Als tausend und fünfhundert Jahr
Und neunzig eins die Jahrzahl war,
Da Fürst Johannes Casimir
War dieses Landes Schutz und Zier,
Ward hier ein großes Fass erbaut
Und als ein Wunder angeschaut,
Desgleichen zu derselben Zeit
War keines in der Christenheit.«
Da aber für dieses erste große Fass im Keller des Heidelberger Schlosses kein geeigneter Raum zur Verfügung stand, wurde ein neuer Bau geschaffen und 1592 fertiggestellt. Staunend standen danach die Menschen vor dem riesigen Fass. Es war damals nicht schwer, das schöne Fass mehrmals zu füllen. In den kurpfälzischen Kernlanden wuchs damals in großen Mengen ein ausgezeichneter Wein – und zwar nicht nur an den sonnigen Gebirgshängen, sondern auch rund um die vielen Dörfer der Rheinebene.
Im 30-jährigen Krieg, der die Kurpfalz besonders schwer heimsuchte, wurde das erste Große Fass zerstört.
Das zweite Große Fass des Kurfürsten Karl Ludwig
Als der Wiederaufbau des Landes weitgehend erreicht war und die Lage der Weinwirtschaft sich verbessert hatte, ließ Kurfürst Karl Ludwig (Regierungszeit von 1648 bis 1680) im Jahre 1664 ein neues, wesentlich größeres Weinfass von dem Hofkellermeister Johann Mayer bauen. Das Holz stammte von Eichen, die auf dem Königstuhl sowie in verschiedenen Wäldern der Region wuchsen. Das neue Fass konnte 204 Fuder, drei Ohm und vier Viertel Wein aufnehmen, was nach heutigem Maß einer Weinmenge von ca. 197.000 Litern entspricht. Die Geschichte des zweiten Großen Fasses war sehr wechselvoll. Bei der Erstürmung Heidelbergs durch französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde 1693 dieses zweite Fass von den feindlichen Soldaten unbrauchbar gemacht. In der Folge blieb es jahrelang unbeachtet.
Das dritte Große Fass des Kurfürsten Karl Philipp
Nach den Verwüstungen im 30-jährigen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg war der Weinbau in der Pfalz erheblich zurückgegangen, vor allem bei den Bauern in der Rheinebene.
Erst 1727 wurde das Große Fass auf Befehl des Kurfürsten Karl Philipp, der von 1716 bis 1742 regierte, wiederhergestellt und ein Jahr später erneut mit Wein gefüllt. Gute Wünsche für das endlich wieder brauchbare Fass sind auf einer Medaille von 1728 zu lesen:
»Gott segne diese Pfalz beim Rhein
Von Jahr zu Jahr mit gutem Wein.
Dass dieses Fass und andere mehr
Nicht wie das alte werde leer.«
Das dritte Fass war mit seinem Volumen von ca. 202.000 Litern nur geringfügig größer als das zweite.
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