Liselotte von der Pfalz

Liselotte von der Pfalz, wie die Herzogin Elisabeth Charlotte von Orleans hierzulande genannt wird, war eine der ungewöhnlichsten und herausragendsten Frauengestalten der deutschen wie auch der französischen Geschichte.
Sie wurde 1652 als Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz geboren. 1671 heiratete sie auf Wunsch des Vaters den Herzog Philipp von Orleans, den Bruder des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV., und siedelte von Heidelberg an den französischen Hof über. Sie starb 1722 in Saint-Cloud bei Paris, ohne ihre Heimatstadt je wiedergesehen zu haben.
Nach dem Tod ihres Bruders Karl, der ohne Nachkommen war, erhob Frankreich im Namen Liselottes, jedoch ohne ihre Zustimmung, Erbansprüche auf die Pfalz. Diese lösten 1688 den Pfälzischen Erbfolgekrieg und die völlige Zerstörung Heidelbergs aus.
Ihr tragisches Leben am Hof des Sonnenkönigs dokumentiert sich eindrucksvoll in einem monumentalen Briefwerk, das sie unter großem Leidensdruck schrieb.
»Ich were erstickt, wenn ich dieses nicht gesagt hätte«, beschließt Sie einmal ihre Klage über die aufgezwungene Existenz am französischen Hof.
Tagtäglich suchte sie Gemütserleichterung durch die Korrespondenz mit ihren Verwandten in Deutschland, vor allem mit ihrer Tante Sophie von Hannover (1630–1714), der jüngsten Tochter von Friedrich V. und Elisabeth Stuart sowie Mutter des späteren englischen Königs Georg I.
Umfangreich war auch die Korrespondenz zwischen Liselotte und ihrer Halbschwester, der Raugräfin Louise von Degenfeld.
Das tägliche Schreiben langer Briefe wurde für Liselotte zum Ersatz für Freundschaften, die sie im französischen »Exil« entbehrte, und zum Heilmittel für ihre Melancholie.
In den ca. 5.000 Briefen, die Liselotte der Nachwelt hinterlassen hat, berichtete sie mit scharfem Blick und spitzer Zunge über die Machtverhältnisse, die politischen Interessen, Klatsch, Zwist und Intrigen am französischen Hof. Sie schrieb damit die wahrhaft universelle Chronik einer fulminanten Epoche nieder.
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