Einzug in Heidelberg

Auf der Heimfahrt nach Heidelberg trafen Friedrich und seine Frau Elisabeth zunächst per Schiff in Vlissingen ein, wo Friedrichs holländische Verwandten (er war schließlich ein Enkel Wilhelm von Oraniens) dem Brautpaar einen königlichen Empfang bereiteten.
Während der prunkvollen Rückreise auf mehreren Schiffen entlang des Rheins bis in die pfälzische Residenzstadt Heidelberg wurde das berühmteste Liebespaar der damaligen Zeit von der Bevölkerung überall begeistert gefeiert.
Der Einzug in Heidelberg ereignete sich im Juni 1613. Tagelang wurde alles aufgeboten, was an Festen und Schauspielen damals möglich war, gekrönt von einem Riesenfeuerwerk, das auf dem Neckar auf verankerten Holzpontons abgebrannt wurde.
Was sich an diesen Tagen unter anderem abgespielt haben mag:
Am Tag nach dem Einzug des neuvermählten Fürstenpaares Friedrich und Elisabeth bringen die Stände den beiden ihre Huldigung und Glückwünsche dar.
Nach Beendigung eines Gottesdienstes in der Schlosskapelle besichtigen Hofbeamte die festlichen Vorbereitungen im Schlosshof. Schlosskastellan und Kellermeister unterhalten sich über den großartigen Verlauf der Hochzeit in London und besonders der Schlosskastellan weiß vieles zu erzählen von den glänzenden Festlichkeiten und der Fahrt über Rhein und Neckar.
In urwüchsigem Pfälzer Dialekt preist er die hohen Tugenden seiner neuen Herrin. Das heitere Zwiegespräch wird unterbrochen durch die Klänge der Glocken von den Schlosstürmen und das Krachen der Geschütze, die das Herannahen des Huldigungszuges aus der Stadt verkünden.
Heroldsfanfaren verkünden gleichzeitig das Nahen des Hofes. Unter Vortritt der Hofchargen, umgeben von einem glänzenden Gefolge erlauchter Gäste und gefolgt von englischen und kurpfälzischen Adeligen, betritt das kurfürstliche Paar durch die Gänge des »Friedrichsbaus« und die Arkaden des »Gläsernen Saalbaus« den Schlosshof.
Herolde verkünden das Eintreffen des Huldigungszuges im Schloss. Das kurfürstliche Paar hat mit seinen hohen Gästen und dem Gefolge auf einer mit prächtigem Baldachin bedachten Estrade Platz genommen.
Der Hausminister bittet um Redeerlaubnis für die Vertreter der Stände, was der Kurfürst gestattet.
Zuerst spricht der Vertreter des kurpfälzischen Adels. Danach naht in einem feierlichen Zug die Abordnung der Universität: der Rektor, die Dekane der Fakultäten, Professoren, Studenten und Scholaren. Der Rektor hält eine kurze Glückwunschrede.
Stadtpfeifer schreiten dem Zug des Stadtmagistrats voran. Der Bürgermeister, umgeben von seinen Ratsherren, denen die Ratsdiener folgen, versichert die Treue der Stadt Heidelberg.
Eine Gruppe von 50 Jungen und Mädchen kündigt nun die nachfolgenden Zünfte an. Der Reihe nach huldigen dem hohen Paar die Schwertfeger und Plattner, die Gold- und Silberschmiede, die Zünfte der Schneider, Schuster, Gerber und Küfer. Es folgen die Bauhandwerker, Schmiede und Glockengießer, Bäcker und Metzger. Eine ländliche Musik eröffnet den Zug der Winzer, der Jäger und Fischer. Zum Schluss folgt das Landvolk, um schlicht und einfach des Kurfürsten Schutz zu erbitten.
Der Kurfürst dankt für die vielfältigen Treuebekundungen. Er lädt alle ein, an den nachfolgenden Festveranstaltungen teilzunehmen. Nach alter Musik aus dem 16. Jahrhundert, teilweise mit Reimliedern und Gesängen, tanzen nun die Bürger- und Bauernkinder, Kranzjungfrauen, Winzer und Winzerinnen.
Danach wird der Platz vom Gesinde für das nachfolgende Turnier vorbereitet. Herolde verkünden mit Fanfaren das Erscheinen des Kampfgerichts. Die Turnierregeln werden verkündet und den Rittern werden die Lanzen ausgehändigt. Nachdem sie nun wiederholt ihre Kräfte gemessen haben und der Sieg entschieden ist, überreicht die junge Fürstin dem Sieger einen Preis. Unter dem Jubel des Volkes, dem Läuten der Glocken und den Klängen festlicher Fanfaren zieht sich der Hof mit seinem Gefolge zurück in den Friedrichsbau.
Der Huldigungszug zieht in festlicher Ordnung hinunter in die Stadt.
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