Historisches zum Fluss Neckar

Neckar als Wasserstraße
Schon seit 800 Jahren dient der Neckar als Transportweg für Brenn- und Nutzholz. Ab 1100 ist die Nutzung des Neckars als Wasserstraße mit Treidelkähnen und Holzflößen belegt. Das Holz aus dem Schwarzwald wurde über den Neckar und weiter über den Rhein bis nach Holland verschifft. Die dort aufblühende Seefahrt verbrauchte viel Holz im Schiffbau.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts gewann der Neckar mit dem einsetzenden oberdeutschen Handel als Wasserstraße für Schiffe an Bedeutung. An vielen Stellen wurde in den Flusslauf eingegriffen, um die Schifffahrt zu begünstigen, doch hatte der Fluss weiterhin gefährliche Stromschnellen und Untiefen und war nur für kleinere Treidelschiffe befahrbar, die vom Rhein kommend bis nach Heilbronn gelangten.
Treideln auf dem Leinpfad
Beim Treideln werden Schiffe oder mitunter auch zusammengehängte Schiffszüge von einem oder mehreren Pferden auf dem Leinpfad gezogen. Im Heidelberger Stadtgebiet ist ein Spaziergang entlang des Leinpfads (nördliches Neckarufer) zu empfehlen.
Ab dem frühen 18. Jahrhundert verkehrten auf dem unteren Neckar regelmäßig kurpfälzische Marktschiffe.
Neckar-Dampfschifffahrt
Ab 1841/42 wurde die Personenschifffahrt auf dem Neckar von Heilbronn bis Mannheim durch die Heilbronner Neckar-Dampfschifffahrt betrieben. Während die Personenschifffahrt die damals neuen Dampfschiffe nutzte, wurden die schwereren Lastkähne weiterhin flussaufwärts getreidelt, also von Pferden gezogen.
Konkurrenz durch der Eisenbahn
Durch die Konkurrenz der Eisenbahn wurden sowohl Personendampfer als auch Treidelkähne in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts allmählich unwirtschaftlich. Bedeutung behielt dagegen die Neckarflößerei, die sich durch die Eisenbahn jedoch auch veränderte.
Neckar-Kettenschlepperei 
Einen neuen Aufschwung brachte der Neckarschifffahrt die 1878 begonnene Neckar-Kettenschlepperei. Zwischen Mannheim und Heilbronn konnten sich Dampfschiffe mit angehängten Kähnen nun an einer 115 Kilometer langen, im Fluss verlegten Kette flussaufwärts ziehen. Von Mannheim bis Heilbronn wurde dadurch die Fahrtdauer, die vormals bei von Pferden gezogenen Schiffen 5 bis 8 Tage betragen hatte, auf 2 bis 3 Tage verkürzt. Die Kettenschlepper wurden im Volksmund »Neckaresel« genannt.
Ausbau zur Großschifffahrtsstraße
Erste Planungen zur Kanalisierung des Neckars zwischen Mannheim und Plochingen begannen bereits 1905, um künftig weitgehend unabhängig von Natureinflüssen wie Hochwasser, Treibeis und Niedrigwasser verkehren zu können. Ab 1921 wurde der Fluss mit Staustufen zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut. 1935 waren die ersten elf Staustufen zwischen Mannheim und dem neuen Kanalhafen in Heilbronn vollendet; damit endete auf dem Neckar die Epoche der Kettenschlepperei.
Erst 1968 wurde das Werk der Kanalisierung vollständig beendet. Der Fluss war an insgesamt 27 Stufen aufgestaut und damit von Mannheim bis Plochingen schiffbar geworden.
Auf dem Neckar transportieren heute mehr als 8.000 Binnenschiffe ca. 8 Millionen Tonnen pro Jahr. Den größten Ladungsanteil haben Baustoffe und mineralische Brennstoffe sowie Salz.
Für Touristen verkehren Ausflugsschiffe wie z. B. die »Weiße Flotte«.
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