Der Brückenaffe

Im 15. Jahrhundert hatte die Heidelberger Neckarbrücke (eine der Vorgängerinnen der heutigen Alten Brücke) einen Brückenturm auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt. Der Turm sollte in den Ankömmlingen Hochachtung, aber auch Angst auslösen. Zur Angst kam noch der Spott hinzu.
Ein Affe, seit jeher Sinnbild menschlicher Unzulänglichkeiten, bot dem Besucher der Stadt von einer Turmnische aus mit dem Griff zum blanken Hinterteil den »Kurpfälzischen Gruß«. Zu allem Überfluss hielt ihm der Affe auch noch den Spiegel der Selbsterkenntnis entgegen. Darüber hinaus war ein eingemeißelter Spruch zu lesen, der in heutigem Deutsch lautet wie folgt:
»Was tust Du mich hier angaffen, hast Du nicht gesehen den alten Affen? Zu Heidelberg, da schaue hin und her, da findest Du wohl meines gleichen mehr.«
Den Heidelberger Brückenaffen kann man auf verschiedenen Ansichten aus der damaligen Zeit sehen, unter anderem zeigt ihn Matthäus Merians Stadtansicht von 1620. Seit 1689 der französische General Melac Brücke und Brückenturm sprengen ließ, ist der Affe verschwunden. Kurfürst Karl Theodor hat den Affen beim Bau der steinernen Brücke nicht wiedererstehen lassen.

200 Jahre später schrieben die Heidelberger Bürger einen Künstlerwettbewerb aus, um einen neuen, modernen Brückenaffen zu bekommen.
Der neue Affe, eine Bronzeplastik aus dem Jahre 1979, ist eine Figur aus der Fabelwelt. Körperbau und Wesen eines Pavians haben für die Gestalt des neuen Affens Pate gestanden.
Er wurde – wie schon sein Vorgänger – mit einem Spiegel ausgestattet, den er dem Menschen vor Augen hält.
Die Figur des neuen Affen erlaubt dem Beschauer, »sich selbst zu äffen«, indem er seinen Kopf in den des Affen hineinstecken kann.
Der neue Brückenaffe bekam auch einen neuen Platz. Er befindet sich heute unmittelbar neben den Doppeltürmen des Brückentores und dient dort der Belustigung der Touristen.
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