Jetta und der Wolf

Der Hügel bei Heidelberg, auf dem heute das Schloss steht, wurde »Jettenbühl« genannt. Dort wohnte einst ein altes Weib namens Jetta in einer Kapelle, von der noch Überreste vorhanden waren, als der Pfalzgraf an derselben Stelle das erste Gebäude eines Schlosses errichten ließ, das »Der Neue Hof« hieß.
Jetta war wegen ihrer Wahrsagerei sehr bekannt, kam aber selten aus ihrer Kapelle heraus. Sie gab denen, die sie nach der Zukunft befragten, stets eine Antwort durch ein Fenster, ohne dass sie sich sehen ließ.
Sie sagte unter anderem auch voraus, dass der Hügel in künftigen Zeiten von königlichen Männern – deren Namen sie nannte – bewohnt und das Tal zu Füßen des Hügels von vielen Menschen bevölkert werden sollte.
Als Jetta eines Tages zu dem Brunnen ging, der in der Nähe des Dorfes Schlierbach, etwa eine halbe Stunde von Heidelberg entfernt, im Wald liegt und sich an seinem Wasser erfrischen wollte, wurde sie von einer Wölfin zerrissen. Daher heißt der Brunnen heute noch Wolfsbrunnen.