»Hortus Palatinus« – der Schlossgarten

Weltwunder im Zeitalter des Renaissance, geschaffen von Salomon de Caus
Mehr als eine Dreingabe zu einer Schlossbesichtigung ist der Heidelberger Schlossgarten, der »Hortus Palatinus«. Er war in der Zeit seiner Entstehung eines der herausragenden Beispiele der Hochrenaissance und des Manierismus. Er galt als der bedeutendste Renaissancegarten nördlich der Alpen. Und er war ein Zeichen der Liebe des Kurfürsten Friedrich V. zu seiner Frau Elisabeth Stuart, der Tochter des englischen Königs Jakob I., die er 1613 in sein Schloss nach Heidelberg holte. In der Zeit seiner Entstehung (ca. 1615 bis 1619) wurde der »Hortus Palatinus« auch als Achtes Weltwunder gepriesen.
Meisterleistung der Gartenbau- und Ingenieurskunst
Der Hortus Palatinus war eine einzigartige Gartenanlage, die durch den Willen des Kurfürsten den steilen Berghängen des Neckartals abgerungen wurde. Er war das verbindende Element zwischen Stadt, Schloss und Landschaft. Seine Galerien und Gewölbe, Brunnen und Fontänen sorgten dafür, dass die Anlage als Meisterleistung der damaligen Gartenbau- und Ingenieurskunst angesehen wurde. Der Garten war das herausragende Beispiel für die damalige Pracht der kurfürstlichen Residenz Heidelberg in der Zeit Friedrichs des Fünften. Allerdings hatte der berühmte Baumeister Salomon de Caus sein Werk nie ganz vollenden können.
Bassins, Wasserspiele und magische Maschinen
Der Garten erstreckte sich auf fünf terrassierten Ebenen hoch über dem Neckartal. Die Terrassen waren durch kunstvolle Treppenkonstruktionen miteinander verbunden. Sie boten den Besuchern eine überwältigende Vielfalt an Laubengängen, heckengesäumten Beetgruppen, Pomeranzenfeldern, Standbildern und Heckenkabinetten, Brunnen und Pavillions, die sich zu einem großartigen und harmonischen Ganzen zusammenfügten. Die Bassins, Wasserspiele und von Quellwasser angetriebenen Figuren und die speziell vom Baumeister entwickelten magischen Maschinen waren einzigartig in ihrer Zeit. Sie bestätigten die hohe Ingenieurskunst von Salomon de Caus. Heute ist leider nicht mehr viel von den einstigen Ingenieursleistungen zu sehen.

Beliebter Aufenthaltsort von Dichtern und Denkern der Romantik
Die Zeitläufe (Friedrich V. wurde böhmischer König in Prag, 30-jähriger Krieg, Pfälzischer Erbfolgekrieg usw.) hatten das Schloss und seinen Garten verändert, teilweise zerstört. Aus dem Schloss war eine mächtige Ruine, aus dem Heidelberger Schlossgarten ein Garten der Romantik geworden.
Die Terrassenanlagen, die umgebende Stadtlandschaft und das enge Flusstal waren nach wie vor vorhanden.
Der Garten war inzwischen ein besonders beliebter Aufenthaltsort von berühmten Dichtern und Denkern der Romantik geworden.
Johann Wolfgang von Goethe in Heidelberg – die Goethebank
Heidelberg, seinem Schloss und vor allem seinem Schlossgarten wird in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung für das Leben und die literarische Entwicklung von keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe zugewiesen. Man sagt, viele Ideen zu seiner Dichtung seien im Heidelberger Schlossgarten geboren worden.

Seit 1922 steht zu Ehren Goethes und seiner letzten großen Liebe Marianne von Willemer eine Muschelkalkbank auf der Scheffelterrasse im Schlossgarten. Die Bank wurde vom Architekten Franz Kuhn entworfen.

Die Rücklehne zeigt ein Reliefmedaillon, das einen Wiedehopf – den orientalischen Liebesboten – auf einem Zweig darstellt.
Goethebank