30-jähriger Krieg und Pfälzischer Erbfolgekrieg

Eroberung der Stadt durch katholische Truppen zu Beginn des 30-jährigen Krieges
1622 nahmen Truppen der katholischen Liga unter dem bayerischen General und kaiserlichen Feldherrn Tilly Heidelberg ein. Die weltberühmte Pfälzer Bibliothek, die »Bibliotheca Palatina«, wurde als Kriegsbeute aus der Heiliggeistkirche entwendet und nach Rom in den Vatikan geschafft. Bis 1649 verwaltete Herzog Maximilian von Bayern die Pfalz. 1633 bis 1634 wurde dies durch die Schwedenherrschaft (Gustav Adolf) kurzzeitig unterbrochen. Durch den Krieg verlor das Land drei Viertel seiner Bevölkerung.
Ein erfolgreicher Wiederaufbau des Landes nach dem Westfälischen Frieden
Im Westfälischen Frieden (1648) fielen die Oberpfalz mit dem Hauptort Amberg und die erste bzw. oberste Kurwürde des Reichs an Bayern. Für die (Untere) Pfalz wurde eine achte Kur neu geschaffen. Karl Ludwig, der zweitälteste Sohn von Friedrich V. und Elisabeth Stuart, wurde jetzt Kurfürst (ihr ältester Sohn Heinrich war bei einem Schiffsunglück im holländischen Exil gestorben). Karl Ludwig ließ Schloss und Universität erneuern. Ein erfolgreicher Wiederaufbau des zerstörten Landes begann.
Einwanderer aus der calvinistischen Schweiz
Nach dem 30-jährigen Krieg hatte die Bevölkerung der Kurpfalz stark abgenommen. Ganze Landstriche des Landes waren wie leergefegt. Das durch Kriegsgräuel und Brandschatzungen besonders heimgesuchte Land zwischen Rhein und Neckar mit seiner Haupt- und Residenzstadt Heidelberg litt unter der Entvölkerung. Kurfürst Karl Ludwig brauchte einen raschen Bevölkerungszuwachs, um sein Land neu aufbauen zu können. Er war gezwungen, viele Einwanderer in seinem Land auf zu nehmen. Er machte interessante Angebote für Einwanderungswillige und erließ schließlich 1650 ein sogenanntes »Einwanderungspatent«. Damit lockte er vor allem zahlreiche Schweizer aus deutschsprachigen Kantonen in die Kurpfalz. Man geht davon aus, dass zwischen 1650 und 1720 ca. 10.000 Schweizer in die Kurpfalz kamen, rund ein Fünftel davon nach Heidelberg. Die Einwanderer verschmolzen in wenigen Jahrzehnten mit der bisherigen Bevölkerung. Es ist anzunehmen, dass die gleichen sozialen Strukturen einerseits und die gemeinsame calvinistische Prägung der abgebenden Schweizer Kantone und der aufnehmenden Kurpfalz andererseits der Grund für die schnelle Integration der Einwanderer waren.
Liselotte von der Pfalz heiratet den Bruder des Sonnenkönigs.
1671 heiratete Liselotte von der Pfalz den Bruder des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Die Hochzeit erfolgte auf Wunsch ihres Vaters, des Kurfürsten Karl Ludwig, der sich dadurch eine Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen zu Frankreich erhoffte.
Frankreich erhebt Erbansprüche auf Liselottes Heimatland
Als die Linie Pfalz-Simmern mit Karl Ludwigs Sohn, dem Kurfürsten Karl II., im Jahre 1685 ausstarb, ging die Kurwürde an die Linie Pfalz-Neuburg. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. erhob gleichzeitig für seine Schwägerin Liselotte von der Pfalz, allerdings ohne deren Einverständnis, Erbansprüche auf deren Heimatland.
Französische Truppen zerstören Heidelberg
Die französischen Erbansprüche führten zum Pfälzischen Erbfolgekrieg. Französische Truppen unter General Melac nahmen 1689 und 1693 Heidelberg ein. Stadt und Schloss sowie die Dörfer und Städte der Rheinebene wurden vor ihrem Rückzug zerstört. Sämtliche Festungswerke wurden von den Franzosen gesprengt.
Wiederaufbau
Die Heidelberger Bürger kehrten ungefähr ab 1697 in ihre zerstörte Heimatstadt zurück und begannen mit dem Wiederaufbau. In den Wiederaufbau fiel im Jahre 1712 auch die Grundsteinlegung für den Bau des (nach heutiger Bezeichnung) »Alten Universitätsgebäudes«.
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