Zunehmende Bedeutung Heidelbergs im 14. und 15. Jahrhundert

Gründung der Heidelberger Universität
Im Jahre 1386 erfolgte die Gründung der Heidelberger Universität durch Kurfürst Ruprecht I. Sie war nach Prag (1348) und Wien (1365) die dritte Universitätsgründung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und ist die älteste Universität im heutigen Deutschland.
Erweiterung der Stadt nach Westen
Ruprechts Sohn, der Kurfürst Ruprecht II., begann 1392 mit der Erweiterung der Stadt nach Westen von der Grabengasse (heutiger Universitätsplatz) bis zur heutigen Sofienstraße bzw. bis zum heutigen Bismarckplatz. Die Bewohner des Dorfes Bergheim wurden in die neue »Vorstadt« umgesiedelt. Unterhalb der Burg bildet sich eine (bis ins Jahr 1743) von der Stadt Heidelberg unabhängige Siedlung.
Ein Heidelberger ist Deutscher König
Von  1400 bis 1410 war Kurfürst Ruprecht III. der deutsche König Ruprecht I. von der Pfalz. Er begann den Bau des prächtigen gotischen Ostteils der Heilig-Geist-Kirche und erhob diese zur Stiftskirche. Er ließ auf dem Schlosshügel einen repräsentativen Neubau errichten. Dieser sogenannte »Ruprechtsbau« ist das älteste der heute sichtbaren Schlossgebäude. Nach König Ruprechts Tod im Jahr 1410 ging die Kurwürde der Pfalz an seinen ältesten Sohn Ludwig III. über. Größere Gebiete erhielten aber auch dessen drei jüngere Brüder.
Johannes Hus auf dem Scheiterhaufen
Ein besonderes Ereignis im Leben von Kurfürst Ludwig III. trat im Jahre 1415 ein: Auf dem Konstanzer Konzil ließ er Johannes Hus auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Kriegerische Konflikte zwischen deutschen Fürsten gehörten zum täglichen Leben
Aus Heidelberger bzw. aus Pfälzer Sicht waren die folgenden Ereignisse von besonderer Bedeutung:
  • Eroberung und Zerstörung der Schauenburg in Dossenheim
Vor 550 Jahren eroberte und zerstörte Kurfürst Friedrich I., der »Pfälzer Fritz«, die urmainzische Schauenburg in Dossenheim. Rund um die Uhr feuerte damals die Artillerie Friedrichs auf die so nah an Heidelberg gelegene Burg seines Gegenspielers, des Mainzer Erzbischofs Diether II. von Isenburg. Steinerne Kanonenkugeln aus jener Belagerung sind heute noch erhalten. Friedrich ließ die Burg schließlich schleifen, um sie für die Zukunft unbrauchbar zu machen.
  • »Schlacht bei Seckenheim«
Die Heere des Markgrafen von Baden und des Grafen von Württemberg zogen im Jahre 1462 durch die Pfalz und vernichteten Dörfer und verbrannten die Felder. Sie wurden von den Pfälzern unter Kurfürst Friedrich I. in der berühmten »Schlacht bei Seckenheim« geschlagen.
  • Ausbau der Wehrfähigkeit von Schloss und Stadt
Aufgrund der ständigen Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen verbesserte Kurfürst Ludwig V. zwischen 1508 und 1544 die bauliche Wehrfähigkeit von Schloss und Stadt und erneuerte die Wirtschaftsgebäude. Der Bau des Dicken Turms war ein Beispiel für den Ausbau des Schlosses zur Festung. In der Stadt entstand unter anderem das Zeughaus.
  • close