Die Römer im Stadtgebiet Heidelberg

Standort des römischen Militärs
Die Heidelberger Stadtteile Neuenheim, nördlich des Neckars gelegen, und Bergheim, auf der gegenüberliegenden Seite gelegen, waren in römischer Zeit wichtige Standorte des römischen Militärs.
Im Jahr 40 nach Christus bauten römische Truppen unmittelbar unter dem Heiligenberg ein wehrhaftes Kastell.
Römerbrücke über den Neckar
An einer seichten Furt im Neckar errichteten die Römer eine Holzbrücke, die ihren Legionen damals eine zu jeder Zeit schnelle Überquerung des Neckars ermöglichte. Die Holzbrücke wurde bald danach durch eine steinerne Pfahljochbrücke ersetzt.
Die im Kastell stationierten Soldaten waren vor allem für den Schutz der römischen Brücke zuständig, die ungefähr in der Mitte zwischen den beiden heutigen neuen Brücken lag. Auf der Neuenheimer Seite findet man noch einen großen Sandstein mit einer Hinweistafel auf diese Römerbrücke. 1877 stieß man bei einer Flussregulierung auf Reste der Brückenpfeiler. Erst 1972 barg der bekannte Archäologe Berndmark Heukemes 43 Eichenbalken aus dem Flussbett, die zur Römerbrücke gehörten.
Römerkastell und internationale Besiedlung
Das Römerkastell hatte die Form eines Quadrates, dessen Seiten ca. 185 Meter lang waren. Vier Wachtürme schützten die 1,80 Meter dicken Umfassungsmauern, die noch von einem vorgelagerten, mit Pallisaden versehenen Graben gesichert waren. Besetzt war das Kastell mit zwei Cohorten, d. h. mit etwa 1.000 Mann.
Im Umfeld des Kastells wiederum gab es Ansiedlungen.
So entstand um das Kastell und den nördlichen Brückenkopf damals das Ur-Neuenheim, eine 1,5 Kilometer lange Siedlung entlang des Neckars mit internationaler Bevölkerung. Hier lebten neben den Römern bereits Vorfahren der Neckarschwaben (Sueven), aber auch Kelten (von den Römern Gallier genannt) sowie Nachkommen von keltischen Stämmen. Die Siedlung entwickelte sich von einer Handwerkersiedlung mit vornehmlich Töpfereien und Ziegeleien zu einem wichtigen Warenumschlagplatz.
Der Grund für diese römischen Niederlassungen auf Heidelberger Gebiet lag unter anderem an den sehr fruchtbaren Böden des Neckarschwemmlandes an dieser Stelle.
Strategischer Standort der Römer
Von wesentlich größerer Bedeutung war aber die strategisch günstige Lage am Austritt des Neckars aus den Bergen des Odenwalds in die Rheinebene. Hier, am Südende der Römerbrücke, trafen sich zwei Reichsstraßen. Eine führte von der damals bedeutenden Römerstadt Lopodunum (dem heutigen Ladenburg) kommend über den Neckar und weiter nach Süden, eine andere führte von Ost nach West.
Der spätere römische Kaiser Trajan war Statthalter in Obergermanien mit der Hauptstadt Mainz. Man kann annehmen, dass er Neuenheim mehrfach besucht hat, wenn er auf der Reichsstraße von Mainz nach Süden in Neuenheim den Neckar überquerte, auf der einzigen Brücke im weiten Umfeld. Man kann darüber hinaus weiter annehmen, dass er im Neuenheimer Kastell gerastet, wahrscheinlich sogar übernachtet hat.
Dauer und Ende der Römerherrschaft
Etwa über einen Zeitraum von 180 Jahren konnte sich die römische Kultur im Heidelberger Raum ungestört entfalten. Das Heidelberg der Römer war in dieser Zeit ein Ort, an dem insbesondere Handel und Gewerbe blühten.
Im Jahre 213 drangen die Alamannen vom Main her in wiederholten Anstürmen in das Gebiet südlich des Limes ein und überrannten und zerstörten zwischen 222 und 235 auch das Neuenheimer Kastell. Nach 260 zogen sich die Römer in Gebiete westlich des Rheins zurück.
Das Kastell in Neuenheim fiel in Schutt und Asche, die Römerbrücke versank in den Fluten des Neckars und die römische Siedlung auf Heidelberger Gebiet verschwand.
Archäologische Funde aus der Römerzeit
Bei Bauarbeiten, insbesondere nach 1950, kamen in Neuenheim immer wieder Funde aus römischer Zeit zum Vorschein. So wurden Brennöfen lokalisiert, in denen die Römer ihre Bauziegel brannten.
Es wurden aber auch verschiedene Heiligtümer freigelegt, in denen Jupiter, Merkur und Mithras verehrt wurden.
Merkur war der Götterbote der Römer. Er geleitete die Verstorbenen in die Unterwelt. Ihm errichteten die Römer auf dem Heiligenberg einen Tempel, dessen Reste 1983 bei Ausgrabungen in der christlichen Michaelsbasilika zum Vorschein kamen.
Besonders erwähnenswert ist ein bereits 1838 in Neuenheim am Fuß des Heiligenbergs in der Nähe des Neckarufers entdecktes Mithräum mit seinem Mithras-Relief, das auf 200 nach Christus datiert wurde.
Zwischen 1951 und 1971 wurden im Neuenheimer Feld mehr als 1.400 römische Gräber freigelegt. Die Funde aus dieser römischen Gräberstraße gehören seither zu den bedeutendsten Beständen der Archäologischen Abteilung des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg. Sie sind gerade zu den Themen »Begräbnissitten und Jenseitsvorstellungen der Römerzeit« sehr ergiebig.
In diesem Bereich des Museums kann man auch verschiedene Stücke der geborgenen Brücken-Bauteile und ein Modell der Römerbrücke bewundern. Die Römerabteilung des Kurpfälzischen Museums ist besonders empfehlenswert.
Die verschiedenen Funde ermöglichten es den Archäologen, die Ausdehnung der Römersiedlung auf Heidelberger Gebiet genauer zu bestimmen.
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