Menschen der Jungsteinzeit auf Heidelberger Gebiet

Archäologische Funde haben aufgezeigt, dass auch Menschen der Jungsteinzeit ca. 3.800 bis 4.500 vor Christus auf dem Heidelberger Stadtgebiet lebten.
»Rössener Kultur«
Ein Dorf der sogenannten »Rössener Kultur« befand sich in Heidelberg-Neuenheim auf dem Gelände des heutigen Zoos. Im Jahre 1902 wurde an dieser Stelle eine große Abfallgrube entdeckt. Die Grube hatten die Menschen der Jungsteinzeit hier angelegt, um Lehm für den Bau ihrer Langhäuser zu entnehmen. Irgendwann wurde aus der Lehmgrube dann die Mülldeponie des Dorfes. Reste einer großen Anzahl an Gefäßen, Tierknochen, Gerätschaften aus Knochen und Geweihstangen, Feuersteinen usw. wurden hier entsorgt – zum großen Glück der heutigen Archäologen. Man weiß, dass die hier sesshaften Menschen eine entwickelte Sozialstruktur hatten. Die Jagd auf Reh, Ur, Wildschwein und Bär spielte für sie nur noch eine untergeordnete Rolle. Man hatte Haustiere wie Schafe, Rinder und Schweine. Aus den Knochen stellte man Pfeil- und Lanzenspitzen sowie Nadeln zur Bearbeitung von Fellen und Textilien her. Aus Geweih fertigte man Hacken und Äxte. Die Dorfbewohner benutzten Keramikgefäße mit vielfältigen flächendeckenden Dekoren.
»Michelsberger Kultur«
Ungefähr in die Zeit um 3.800 vor Christus, also auch in die Jungsteinzeit, lassen sich andere Bewohner des Heidelberger Stadtgebiets datieren. 1985 wurde eine Mehrfachbestattung der sogenannten »Michelsberger Kultur« am Neckar auf Handschuhsheimer Gebiet entdeckt und freigelegt. Man fand sechs Bestattete in Hockerstellung wenig unter der Erdoberfläche in einer Lehmgrube. Über den Toten fand man eine große Menge an Keramikscherben, die dort wohl aus rituellen Motiven deponiert worden waren. Die sechs Toten entstammten vermutlich einer gemeinsamen Familie.
Die Untersuchungen der Archäologen zeigten ein dramatisches Geschehen auf, das sich damals ereignete: Die Familie wurde überfallen und alle Mitglieder erschlagen. Schließlich fand eine gemeinsame Bestattung statt.
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