Alte Brücke (Gottfried Keller)

Der Züricher Dichter Gottfried Keller verliebte sich während seines Studiums in Heidelberg unglücklich in ein Heidelberger Mädchen, in Johanna Kapp, die Tochter des Politikers und Philosophieprofessors Christian Kapp.
Seinen Liebesschmerz hat er mit folgenden Versen der steinernen Alten Brücke geklagt:
Schöne Brücke, hast mich oft getragen,
Wenn mein Herz erwartungsvoll geschlagen
Und mit Dir den Strom ich überschritt
Und mich dünkte, deine stolzen Bogen
Sind in kühnerm Schwunge mitgezogen
Und sie fühlten mein Freude mit.

Weh der Täuschung, da ich jetzo sehe,
Wenn ich schweren Leids hinübergehe,
Daß der Last kein Joch sich fühlend biegt;
Soll ich einsam in die Berge gehen
Und nach einem schwachen Stege spähen,
Der sich meinem Kummer zitternd fügt?
Aber sie, mit anderm Weh und andern Leiden
Und im Herzen andre Seligkeiten:
Trage leicht die blühende Gestalt!
Schöne Brücke, magst du ewig stehen,
Ewig aber wird es nie geschehen,
Daß ein bessres Weib hinüberwallt!

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