Kurpfälzer Mundart

Die regionalen Dialekte sind Ursprung und Quelle unserer heutigen Schriftsprache.
»Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft.«
Dies schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe, der enge Kontakte nach Heidelberg pflegte, mit der Neckarstadt eng verbunden war und damit auch die Kurpfälzer Mundart kennen und lieben lernte.
Wir möchten Ihnen – im Rahmen unserer vielfältigen Heidelberg-Informationen – auch die Sprache der Heidelberger, die Kurpfälzer Mundart, ein wenig näher bringen.
Hierzu haben wir beispielhaft einen Vers ausgewählt, den einer der letzten großen Heidelberger Mundartdichter Oskar Rauscher im Jahr 1973 der Heidelberger Jugend gewidmet hat.
Sein »Heidelberger Sume-Lied« handelt von einem sogenannten »Sumen«, also von einem Bub der Heidelberger Altstadtgassen, der weiß, wo er hingehört, der die sonnigen Tage froh genießt und bei Regenwetter den Kopf einzieht, stets in dem Bewusstsein, dass die Sonne ohnehin wieder strahlen wird.
Sein »Abenteuer-Spielplatz« ist der Neckar und dessen Ufergebiet.
Den Namen »Sume« (Samen) erhielten übrigens früher die Kinder, die in den Heidelberger Neckargassen heranwuchsen.
Der Name stammt von dem Nachwuchs der Neckarfische, den kleinen, durchsichtigen Fischlein, die ebenfalls erst noch heranwachsen müssen, bis sie richtige Fische sind.

Heidelberger Sume-Lied

En Sume vun Alt-Heidelberg
Den find'sch in jeder Gass,
Un wenn mer zu mir Sume secht,
Macht mir des immer Schpass.
Der Nekker iss mei Jagdrevier
Dort bei de alte Brick,
Do ankert a mei Binseboot
An Vadders langem Schtrick.
Ich bin en Sume vum alde Nekker,
Voll Lumperei de ganze Wicht,
E grossi Worscht, en Weck vum Becker,
Des isch un bleibt mei Leibgericht.
Die Aache hell mit Sunneschei,
So muß en Nekkerschleimer sei.
(Nekkerschleimer = Neckname für die Heidelberger)
Was guggt ihr dann, ihr liewe Leit?
Was bringt eich aus de Ruh?
Weil ich do mit meim Dascheduch
Mol Sume fange dhu.
Un fall ich in de Nekker nei,
Macht mir des gar nix aus,
Do schwimm ich zu meim Binseboot
Un grawwel widder raus.
Ich bin en Sume vum alde Nekker... (Refrain)
Kumm ich dann zu de Mudder heem
Ganz bitsche-batsche nass,
Do wird des arme Weiwele
Vor Schrecke leicheblaß.
Hab erscht vum Vadder ich mei Hibb,
Iss alles widder gut,
Weil so en Nekerschleimer halt
Nit unnergehe dhut.
Ich bin en Sume vum alde Nekker... (Refrain)
Un wenn der Raach is aus de Schtubb,
Gugg ich zum Vadder hie,
Do schmunzelt er schtill in sich nei,
So glicklich wie noch nie;
Ich glaab, dass e Erinnerung
Do an sei Herzel klingt.
Es kann jo a net annerscht sei,
Weil er dann immer singt:
Ich war en Sume vum alde Nekker,
Voll Lumperei de ganze Wicht.
E grossi Worscht, en Weck vum Becker,
Des war un bleibt mei Leibgericht.
Dazu jetzt noch e Vertel Wei,
So muß en Nekkerschleimer sei.
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