Geschichte der Universität

Gründung 1386 durch Kurfürst Ruprecht I.
Die Heidelberger Universität feierte im Verlauf der Geschichte immer wieder gerne ihre Gründung, die im Jahre 1386 durch Kurfürst Ruprecht I. erfolgte. Ein Jahr zuvor hatte der Kurfürst die Erlaubnis zur Gründung einer Universität von Papst Urban VI. bekommen. 1586 wurde das Gründungsjubiläum zum ersten Mal gefeiert, 2011 fand die 625-Jahr-Feier statt.
»Aus Tradition in die Zukunft«

»Aus Tradition in die Zukunft« hieß das Motto der 600-Jahr-Feier von Deutschlands ältester Universität. Es ist ein Satz, wie er nicht besser zur Heidelberger Universität passen könnte. Auf der einen Seite steht die lange Tradition, unter anderem mit den vielen berühmten Gelehrten, die mit der Heidelberger Universität verbunden sind, auf der anderen Seite steht die »Exzellenz-Universität«, die sich mit ihren zukunftsorientierten Wissenschafts-Projekten weltweit einen Namen gemacht hat.
 
Die Universität zur Zeit ihrer Gründung

Bereits im ersten Jahr nach der Gründung, im Jahre 1386, begannen 500 Studenten ihr Studium an der Heidelberger Universität. Ihre oberste Instanz war damals der erste Rektor der Universität, der berühmte Magister Marsilius von Inghen.

Zur Zeit ihrer Gründung hatte die Heidelberger Universität kein eigenes Gebäude mit Lehrsälen. Die Lehrveranstaltungen fanden verteilt über das Stadtgebiet und oft in den Wohnungen der Dozenten statt. Etwa zehn Jahre später gab es bereits erste Gebäude der Universität, die auf dem Gelände der heutigen »Alten Universität« standen.

Ein besonderes Ritual bestand darin, dass die Verfassung der Universität jedes Jahr am 1. November in der Heiliggeistkirche vorgelesen wurde. In dieser Verfassung wurde den Studenten und Dozenten sowie den Buchhändlern und Schreibern wiederholt »freies Geleit«, aber auch Steuer- und Zollfreiheiten zugesichert. Im Anschluss an die jeweilige Vorlesung wurde die Verfassung von den Heidelberger Bürgern beeidet.
Auswirkungen der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts
Im 17. und 18. Jahrhundert, insbesondere während des 30-jährigen Kriegs und des späteren Pfälzischen Erbfolgekriegs, ging der Hochschulbetrieb stark zurück und kam zum Erliegen.
Neugründung durch Markgraf Karl Friedrich von Baden
Die Heidelberger Universität musste schließlich im Jahre 1805 von Markgraf Karl Friedrich von Baden neu gegründet werden. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte und zwei Jahrhunderte konnte sie schrittweise ihre alte Bedeutung zurückerlangen.
Die Heidelberger Universität hat damit zwei Gründer, Kurfürst Ruprecht und Markgraf Karl (Friedrich). Es war naheliegend, ihr zu Ehren dieser beiden Gründer den Namen »Ruperto Carola« zu geben.

Große Namen der »Ruperto Carola«
Große Namen bestimmten die Geschichte der »Ruperto Carola«.
Dazu zählten beispielsweise: 
  • der berühmte Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
  • der Chemiker Robert Bunsen,
  • der Physiker Hermann von Helmholtz,
  • der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Max Weber,
  • der Philosoph Karl Jaspers
und viele mehr.
»Dem lebendigen Geist«
In der Zeit der Weimarer Republik galt Heidelberg als eine Hochburg des demokratischen Geistes, geprägt durch Professorengestalten wie Karl Jaspers, Gustav Radbruch, Martin Dibelius oder Alfred Weber.
Dazu passt der Schriftzug »Dem lebendigen Geist«, eine von Friedrich Gundolf formulierte Widmung.

Wissenschaftlich prägten vor allem die Philosophische und Juristische Fakultät in jener Zeit das Bild der Heidelberger Universität. Neue Wege ging aber auch Ludolf von Krehl mit dem Konzept einer ganzheitlichen Medizin.
Nationalsozialismus und geistige Erneuerung
Das Dritte Reich führte in Heidelberg zur Entlassung einer großen Zahl von Dozenten und zum Ausschluß von Studenten aus politischen und rassischen Gründen. Viele mussten emigrieren, zwei Professoren wurden unmittelbar Opfer des Terrors.
Durch das Wirken profilierter Regimeanhänger war Heidelberg als braune Universität verrufen. Das Motto »Dem lebendigen Geist« (Schriftzug am Gebäude der Neuen Universität) war in der Zeit des Nationalsozialismus in »Dem deutschen Geist« abgeändert worden und die Athena hatte man durch einen Adler ersetzt.
Geistige Erneuerung nach dem Zweiten Weltkrieg
Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren Alte und Neue Universität äußerlich unzerstört. Die Universität selbst bedurfte aber der geistigen Erneuerung.
Unter Federführung von Jaspers wurde eine neue Satzung ausgearbeitet, in der sich die Universität verpflichtete, »dem lebendigen Geist der Wahrheit, Gerechtigkeit und Humanität zu dienen«.
Erster Rektor der Nachkriegszeit war der Chirurg Karl Heinrich Bauer.
Die Heidelberger Universität in der jüngeren Vergangenheit
In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann die Auslagerung von Teilen der Universität in das Neuenheimer Feld.
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