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Durch den Altstadtkern

Routenbeschreibung durch den Heidelberger Altstadtkern

Die zweite Etappe unseres Rundgangs durch die Heidelberger Altstadt beginnt am Universitätsplatz.
Westlich des Platzes verläuft die Grabengasse, die die erste/ältere Stadtmauer und den späteren Übergang der Altstadt zur Vorstadt markiert. Der Name erinnert an den ehemaligen Stadtgraben. Der Löwenbrunnen auf dem Universitätsplatz ist heute unter anderem ein Treffpunkt für organisierte Stadtführungen.
1. Alte Universität (lfd. Nr. 1 des Verkehrsvereins) mit Universitätsmuseum, Alter Aula und Studentenkarzer
Gleich hinter dem Löwenbrunnen fällt Ihr Blick auf das Gebäude der Alten Universität. Es ist ein Barockbau mit einigen Pilastern, geschweiftem Schieferdach und einem Uhrtürmchen, den Kurfürst Johann Wilhelm 1712 bis 1735 durch Adam Breunig erbauen ließ. Im Erdgeschoss finden Sie das Universitätsmuseum (geöffnet dienstags bis freitags 10:00 bis 16:00 Uhr). Im ersten Obergeschoß sollten Sie auf jeden Fall die besonders attraktive »Alte Aula« besichtigen, die 1886 im Rahmen des damals gefeierten 500-jährigen Universitätsjubiläums die heutige Ausstattung erhielt.
Eine weitere Rarität ist der im östlich angebauten Pedellenhaus befindliche »Studentenkarzer«, der von 1778 bis 1914 benutzt wurde (Zugang: Augustinergasse). In dieser Zeit hat mancher Student für Saufen und Randalieren in der Altstadt drei Tage Karzer bekommen. Das wurde dann mehr als Jux und Ehre aufgefasst denn als Strafe. Die Eingesperrten verewigten sich mit Wasserfarben und Kerzenruß und hinterließen damit ein Gedicht oder »Gemälde« sowie ihren Namenszug an der Wand des Studentengefängnisses.
Wir empfehlen Ihnen ein Kombi-Eintrittsticket, mit dem Sie alle drei Attraktionen der Alten Universität besichtigen können.
Beim Weitergehen entlang der Grabengasse führt Sie der Weg an der sogenannten »Neuen Universität« vorbei (Hinweis: Der Begriff könnte zu Missverständnissen führen, da die meisten der in den letzten Jahrzehnten neu erbauten Universitätsgebäude im Neuenheimer Feld auf der anderen Seite des Neckars zu finden sind). Die  »Neue Universität« ist ein weißer Bau mit hohen Fenstern und flach geneigtem Dach.
Der Bau entstand 1928 bis 1931 mit Hilfe finanzieller Mittel, die Jacob Gould Shurman, Rektor der Universität von Ithaca (USA), gesammelt hatte.
4. Hexenturm (lfd. Nr. 2 des Verkehrsvereins)
Das Gebäude der Neuen Universität umschließt mit drei Flügeln einen großen Innenhof. In der Südost-Ecke des Hofes können Sie den 1380 erbauten Hexenturm, ein Bauwerk der ehemaligen Stadtbefestigung, betrachten. Der Hexenturm blieb als einziger der mittelalterlichen Stadtmauer-Türme erhalten.
5. Universitätsbibliothek mit Handschriftensammlung (lfd. Nr. 44 des Verkehrsvereins)
Die Universitätsbibliothek am Ende der Grabengasse ist ein prunkvoller roter Sandsteinbau in neubarocken Formen. Er wurde 1901 bis 1905 auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerinnenklosters (Schwarznonnenkloster) erbaut, dessen Portal erhalten blieb und heute im Hof des Kurpfälzischen Museums betrachtet werden kann. Wir empfehlen Ihnen, sich das Innere der Universitätsbibliothek anzusehen, insbesondere auch die ständige Ausstellung alter bedeutender Handschriften im Obergeschoss. Das Prachtstück dieser Sammlung ist die berühmte »Manessische Liederhandschrift«.
6. Peterskirche (lfd. Nr. 45 des Verkehrsvereins)
Die Peterskirche, die Sie gegenüber der Universitätsbibliothek sehen, ist die Heidelberger Universitätskirche. Dies lassen schon die zahlreichen Grabdenkmäler bedeutender Universitätsprofessoren erahnen, die man – neben den Grabsteinen kurfürstlicher Hofleute – sowohl außerhalb der Kirche, als auch im Inneren vorfindet. Im Mittelalter, seit dem 12. Jahrhundert, stand an dieser Stelle bereits ein bescheidenes Gotteshaus, welches die Pfarrkirche der Stadt war. Der Bau der heutigen Peterskirche begann 1485. 1864 bis 1870 wurde das Kirchengebäude stark verändert. Anfang der 60er Jahre wurde die steinerne Turmspitze zum Schutz vor negativen Witterungseinflüssen verkleidet.
Von der Peterskirche gehen Sie in östlicher Richtung zur Seminarstraße. Rechts befindet sich das »arthotel«, das historische Bausubstanz ideal mit moderner Glasarchitektur verbindet. Es wurde mit einem Architekturpreis ausgezeichnet.
8. Jesuitenquartier (auch Jesuitenviertel genannt)
Die nächste Station Ihres Altstadt-Rundgangs, der Sie weiter durch die Seminarstraße nach Osten führt, ist das Jesuitenquartier mit verschiedenen Gebäuden der Jesuiten und der imposanten Jesuitenkirche im Zentrum.
Seminarium Carolinum (lfd. Nr. 4 des Verkehrsvereins)
Rechts erscheint der schönste der Jesuitenbauten, das Seminarium Carolinum, das 1750 bis 1765 erbaut wurde. Werfen Sie einen Blick über den Ehrenhof auf das Gebäude. Es diente einst den Jesuiten zum Ausbilden von Ordensnachwuchs. Danach diente es zu verschiedenen Zeiten als Irrenanstalt, Krankenhaus, Polizeikaserne und als Studentenwohnheim. Seit 1981 befindet sich hier die Zentrale Universitätsverwaltung.
Jesuitengymnasium (lfd. Nr. 3 des Verkehrsvereins)
Auf der linken Seite sehen Sie das Gebäude des Jesuitengymnasiums, in dem die Jesuiten einst die Naturwissenschaften lehrten. Es entstand 1715. Von 1827 bis 1905 befand sich in diesem Haus die Universitätsbibliothek. Heute ist es ein Seminarhaus der Universität.
9. Jesuitenkirche (lfd. Nr. 5 des Verkehrsvereins)
Am Jesuitengymnasium gehen Sie links die Schulgasse hinunter, entlang der Westseite der Jesuitenkirche. Der Bau der katholischen Pfarrkirche begann 1711 durch den bekannten Baumeister J. A. Breunig und wurde 1745 bis 1751 von F. W. Rabaliatti vollendet. Auf dem kleinen Vorplatz, dem Richard-Hauser-Platz, können Sie die sehr schöne Nordfassade der Kirche mit den verschiedenen Statuen betrachten. Werfen Sie auch einen Blick in den prachtvollen Innenraum der Kirche. Auf der Ostseite des Innenraums gibt es eine kleine Pforte, die in den Meditationsgarten führt.
Jesuitenkolleg
Auf der Ostseite des Kirchenvorplatzes führt ein sehr schönes, barockes Portal in das 1703 bis 1711 um einen Hof erbaute, ehemalige Jesuitenkolleg, in dem sich u. a. das katholische Pfarrhaus befindet.
10. Haus Meder (lfd. Nr. 21 des Verkehrsvereins)
Von der Jesuitenkirche gehen Sie nun durch die Heugasse und anschließend nach rechts in die Hauptstraße bis zum Mederschen Haus an der Ecke zur Kettengasse. Das Haus Meder ist ein reich dekoriertes Bürgerhaus, das 1827 von dem Kaufmann Ludwig Meder erworben wurde.
Beachten Sie vor allem die Madonnenfigur aus dem 18. Jahrhundert an der Ecke des Gebäudes.
11. Haus Zum Ritter (lfd. Nr. 20 des Verkehrsvereins)
Folgen Sie nun der Hauptstraße in östlicher Richtung. Wo die Hauptstraße in den Markt mündet, steht das prächtige Haus »Zum Ritter«. Der hugenottische Tuchhändler Charles Belier hat das palastartige Bürgerhaus 1592 erbaut. Es ist das einzige Beispiel der einstigen Renaissancehäuser Heidelbergs, das die Zerstörungen von 1689 und 1693 überdauert hat.
12. Heiliggeist-Kirche (lfd. Nr. 19 des Verkehrsvereins)
Auf der anderen Seite sehen Sie die stattliche Heiliggeist-Kirche. Der gotische Bau aus rotem Sandstein beherrscht mit seiner wuchtigen einheitlichen Gestalt diesen Bereich der Altstadt. Die Heiliggeist-Kirche ist die evangelische Pfarrkirche der Altstadt. Sie wurde 1398 bis 1441 erbaut und war auch Begräbnisstätte der Kurfürsten. Das Grabmal Ruprechts III. und seiner Frau Elisabeth von Hohenzollern ist als einziges Relikt erhalten.
Eine Turmbesteigung ist wegen des phantastischen Rundum-Blicks besonders empfehlenswert. Beim Hinaufsteigen kommen Sie an der Empore vorbei, auf der vor dem 30-jährigen Krieg die berühmte Bibliotheka Palatina (Pfälzer Bibliothek) ihren Aufbewahrungsort hatte. Die Bibliothek wurde damals als Kriegsbeute nach Rom geschafft und befindet sich heute noch im Vatikan. Beachten Sie auf dem Weg nach oben auch den ausgestellten Wasserspeier. Mehrere dieser Figuren können Sie außerhalb der Kirche am Dach erkennen. Die kleinen Souvenier-Lädchen an der Kirchen-Außenmauer laden zum Stöbern ein.
Ehemalige Hofapotheke (lfd. Nr. 18 des Verkehrsvereins)
Nach dem Verlassen der Heiliggeist-Kirche schlendern Sie über den Marktplatz. Auf dem Weg zum mittleren Bereich des Marktplatzes sehen Sie rechts das Gebäude der ehemaligen Hofapotheke. Es wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut. Heute noch schmückt ein farbenprächtiges Wappen der Kurfürsten die Fassade des barocken Gebäudes. Die kurfürstliche Hofapotheke ist an dieser Stelle seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar.
Mittelbadgasse (lfd. Nr. 6 des Verkehrsvereins)
Der Vollständigkeit halber soll hier auch die Mittelbadgasse erwähnt werden, die ein paar Meter weiter rechts abzweigt. Hier wurde bereits 1265 eine Badstube erwähnt.
Ihr nächstes Ziel auf dem Markplatz ist der Herkules-Brunnen. Die Figur des Herkules ist dem »Herkules Farnese« in Rom nachgebildet. Falls Sie den Altstadt-Rundgang mittwochs oder samstags durchführen, können Sie den hier zweimal wöchentlich stattfindenden, bunten Wochenmarkt erleben. Zu anderen Zeiten lädt die Außenbewirtung der angrenzenden Bars und Gaststätten auf dem Platz zum Verweilen ein.
14. Rathaus (lfd. Nr. 17 des Verkehrsvereins)
Am östlichen Rand des Marktplatzes steht das Heidelberger Rathaus. Der heutige Mittelbau wurde 1701 bis 1705 von Flemal erbaut. Das gesamte  Gebäude erhielt danach in mehreren Ausbaustufen seine heutige Gestalt. Der große Rathaussaal enthält Glasgemälde aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ein farbenfroher Anbau von 1961 an der Ostseite trägt auf dem Dach ein Glockenspiel mit 26 Bronzeglocken. Das Glockenspiel lässt unter anderem das Lied »Alt Heidelberg, du feine« erklingen.
15. »Haus Nebel« (lfd. Nr. 16 des Verkehrsvereins)
Auf der Nordseite des Rathauses, in der Heiliggeiststraße, befindet sich das »Haus Nebel«. Der Barockbau entstand 1710 auf dem Gelände der früheren Höfe der »Landschaden« von Neckarsteinach, die 1689 und 1693 zerstört wurden. Über dem rechten Portal sehen Sie das Wappen des Hofapothekers Nebel.
16. Kornmarkt (lfd. Nr. 7 des Verkehrsvereins)
In Höhe des Rathauses öffnet sich die Fußgängerzone nach Süden zum Kornmarkt. Der im Vergleich zum Marktplatz kleinere Platz wurde im 18. Jahrhundert angelegt. Vom Rathaus kommend, gibt er einen herrlichen Blick auf die Schlossruine frei. In der Mitte des Kornmarkts befindet sich die wohl schönste Heidelberger Madonnenstatue. Die Kornmarkt-Madonna wurde 1718 von Peter van den Branden geschaffen.
Auf der rechten Seite des Kornmarkts stand bis 1978 das zuletzt heruntergekommene Gebäude der früheren Nobel-Herberge »Prinz Carl«. Im 19. Jahrhundert logierten hier viele berühmte Leute. Bei der dringend notwendigen Sanierung des Gebäudes stellte man fest, dass die Außenwände nicht mehr tragfähig waren. Das Gebäude des »Prinz Carl« musste ersetzt werden. Es gelang lediglich, den großen »Spiegelsaal« des ehemaligen Nobel-Hotels zu retten und in das neue Gebäude zu integrieren. Der historische Spiegelsaal ist damit heute wieder ein von den Heidelbergern gerne genutzter Ort für unterschiedliche Veranstaltungen (Konzerte, Hochzeiten usw.).
An der Südost-Ecke des Kornmarkts sollten Sie einen Blick auf das Haus Graimberg werfen. Das Gebäude war seit 1839 Wohnung und Galerie von Graf Charles de Graimberg, dem Schlosskonservator und Begründer der städtischen Sammlungen, die Sie heute im Kurpfälzischen Museum betrachten können. In diesem Gebäude gründete 1911 die Gräfin Maria von Graimberg (1879–1965), Ehrenbürgerin der Stadt, die erste katholische soziale Frauenschule im Deutschen Reich. Heute befindet sich hier ein Baudezernat der Stadt.
Nur wenige Meter vom Haus Graimberg entfernt erreichen Sie die Bergbahn-Talstation.
Hier endet die zweite Etappe unseres Altstadt-Rundgangs, der Sie durch den Altstadtkern führte.
Sie können von hier aus unseren dritten Etappenvorschlag direkt anschließen, der schließlich an der Alten Brücke endet.
Eine andere interessante Möglichkeit wäre es, von dieser Stelle aus einen Abstecher hinauf zum Schloss zu unternehmen. Hierzu können Sie zwischen einer bequemen Fahrt mit der Bergbahn, einem steilen Fußweg oder einem noch steileren Treppenaufstieg wählen. Beide Fußwege beginnen links neben der Bergbahnstation.
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