Karl Theodor (1742–1799) – der letzte Kurfürst

Karl Theodor wurde am 11.12.1724 als Sohn des Herzogs Johann Christian von Pfalz–Sulzbach und dessen Frau Maria Anna de la Tour d' Auvergne in Drogenbusch bei Brüssel, der Residenz seiner Großmutter, geboren.
Seine Eltern starben früh, so dass ihm bereits im Jahre 1732 die Regierung über das Herzogtum Sulzbach übertragen wurde.
Er wurde von seinem Onkel, dem Kurfürsten Karl Philipp, an dessen Hof nach Mannheim gerufen. Karl Philipp hatte keine männlichen Nachkommen. Er ließ Karl Theodor als Thronfolger erziehen. Um seine eigenen Nachkommen nicht zu benachteiligen, verlobte Karl Philipp den 8-jährigen Knaben mit seiner Enkelin Elisabeth Augusta.
Karl Theodor wurde sorgfältig erzogen. Er erlernte fünf Sprachen und studierte Naturwissenschaften, Literatur, Kunst, Geschichte und Theologie. Der Unterricht erfolgte durch Privatlehrer im Mannheimer Schloss.
Später studierte Karl Theodor 2 Jahre in den Universitäten von Leyden und Löwen.
Nachdem er nach Mannheim zurückgekehrt war, kamen zu den für einen zukünftigen Kurfürsten wichtigen Fächern noch die Kenntnisse eines Kavaliers dazu wie Fechten, Reiten und Tanzen. Außerdem erlernte er verschiedene Musikinstrumente. Nur für das Militär konnte er sich nicht begeistern.
Am 17. Januar 1742 heiratete Karl Theodor seine Cousine Elisabeth Augusta. Im gleichen Jahr starb sein Onkel, der Kurfürst.
In den ersten Jahren als Kurfürst erledigte er die Regierungsarbeit gemeinsam mit seiner Frau, allerdings unter Kontrolle der Jesuiten.
Gegen 1750 löste sich Karl Theodor von dieser Bevormundung. In der Folge wurde seine Hofhaltung luxuriöser.
Der Mannheimer Hof wurde zu einem der glänzendsten in ganz Europa. Das Mannheimer Schloss und die Heidelberger Jesuitenkirche wurden fertiggestellt. Schloss Benrath in Düsseldorf wurde gebaut und zwischen 1742 und 1799 entstand der große Schlosspark in Schwetzingen bei Heidelberg mit seinen vielfältigen Bauten, Monumenten und Gartenanlagen.
Die schönen Künste wurden in der Kurpfalz besonders gepflegt. Im Residenzschloss wurde musiziert. Die sogenannte Mannheimer Schule schuf die Voraussetzungen für die Wiener Klassik.
Karl Theodor ermöglichte den heimischen Künstlern die Begegnung mit den Kunstwerken der Welt. Eine Maler-, Zeichnungs- und Bildhauerakademie ließ er 1757 eröffnen. Die besten Kunstwerke wurden regelmäßig prämiert.
Berühmte Gipsabgüsse der Antike wurden erworben und öffentlich ausgestellt. Selbst Goethe und Schiller äußerten sich hierzu begeistert.
1763 ließ Karl Theodor die Pfälzische Akademie der Wissenschaften errichten. Deren Ziel war es, wissenschaftliche Werke zu erarbeiten und zu veröffentlichen, um das Ansehen der Pfalz in dem Zusammenhang zu fördern. Weitere Institutionen wurden gegründet, um unter anderem das deutsche Schauspiel, die deutsche Oper und die deutsche Literatur zu fördern.
Als der Kurfürst von Bayern 1777 starb, trat Karl Theodor dessen Erbe an. Er verließ die geliebte Kurpfalz und zog nach München. In der Folgezeit war er gefordert, politische und wirtschaftliche Probleme zu lösen.
Der Hof in München wurde genauso prächtig wie der in der Kurpfalz. Im Schwetzinger Schlossgarten wurde weitergebaut und in München ließ Karl Theodor den Englischen Garten errichten. Straßenbau, Salinen und Bergwerke sorgten für den allgemeinen Wohlstand des Landes. Industrien und Manufakturen wurden vom Fürsten privilegiert.
Privat war Karl Theodor weniger erfolgreich. Elisabeth Augusta schenkte ihm 1761 einen Sohn, der kurz nach der Geburt starb. Die Kurfürstin konnte danach keine Kinder mehr bekommen. Das traurige Schicksal bewog Karl Theodor, Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildung der Ärzte und Hebammen einzuleiten.
Die Ehe zwischen Karl Theodor und Elisabeth Augusta zerbrach an dem schweren Schicksalsschlag.
Die geistig hochstehende und musikalisch begabte Kurfürstin – Mozart widmete ihr aufgrund ihrer Klavierspielkunst mehrere Sonaten – zog sich in das Schloss im pfälzischen Oggersheim zurück. Sie gründete hier ihren eigenen Hof und widmete sich verstärkt den Musen und der Wohltätigkeit.
Während Karl Theodor in der Anfangszeit beim Volk sehr beliebt war, kehrte sich jetzt die Gunst des Volkes ins Gegenteil um, unter anderem auch wegen der Mätressenwirtschaft am Hof.
Elisabeth Augusta starb 1794. Ein halbes Jahr später verheiratete sich der 71-jährige Karl Theodor mit der 19-jährigen Marie Leopoldine von Österreich–Modena, doch für einen Erben war es zu spät.
Das Volk zeigte sich sehr erleichtert, als Karl Theodor, der letzte Kurfürst von der Pfalz, 1799 starb.
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